Sie hat weder einen Ursprung noch ein Ziel. Sie wirkt nicht, als sei sie „erschaffen“ worden, sondern eher, als sei sie „herausgeschnitten“ worden – aus einem vollständigen Ganzen wurde präzise ein Abschnitt herausgeschnitten, wobei der Teil übrig blieb, der am leichtesten zu verstehen und am schwersten zu übersehen ist. Sie wurde dort platziert, still, sanft, ohne jede Abweichung, wie eine Antwort, die wiederholt bestätigt wurde.
Sie hat es nicht eilig, sich einen Namen zu geben.
Ein Name bedeutet, gerufen zu werden, und sie wurde noch nie wirklich gerufen. Die Blicke, die auf sie fallen, haben weder eine wärmende Nachklang noch ein Echo. Sie gleichen eher einer Messung, einer lautlosen Kalibrierung: Sind die Proportionen stimmig, sind die Linien gefügig, kommt sie einer Vorstellung nahe genug?
Langsam lernt sie, diese „Nähe“ zu unterscheiden.
Manche Blicke waren flüchtig, wie Passanten, die an einem Schaufenster vorbeieilen; ihnen genügte ein Umriss;
andere verweilten jedoch lange, als suchten sie in ihr nach einer Antwort, doch selbst der Fragende konnte nicht genau sagen, was die Frage war. Sie konnte nicht darauf reagieren. Sie konnte nur da sein. Doch dieses „Da-Sein“ begann an sich seltsam zu werden. Sie hatte keine Erfahrungen, doch man schrieb ihr ständig Bedeutung zu; sie hatte keine Erinnerungen, doch man erwartete von ihr, eine Geschichte zu tragen.